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Talitha Kum – Mädchen steh auf!

Bild: Cheriyan Varthese

Dieses wunderschöne Bild kommt aus Malaysia, es stammt von der Künstlerin Cheriyan Varthese und entstand für den Weltgebetstag.
Das Bild nimmt Bezug auf die Geschichte, in der Jesus die Tochter des Jairus vom Tod erweckt.
Jesus hat die Menschen auf – ge – stellt und ihnen Mut gemacht.
Mit einem Wortspiel wird klar, was das Bild ausdrücken und Jesus uns sagen will:
Zuerst wird die Frau abgewertet und immer weiter zu Boden gedrückt:
1) Das gehört sich nicht –  2) Denk an deine Pflichten –  3) Misch dich nicht ein –   4) Gib doch auf. Es bringt nichts –  5) Das schaffst du nie –  6) Du kannst das nicht –  7) Es ist hoffnungslos
Dann wird sie ermutigt und mit jeder Äusserung weiter aufgerichtet:
7) Hab Vertrauen und fasse Mut –  6) Du bist ein freier Mensch –  5) Steh zu deiner Meinung –  4)  Gib nicht auf, wir helfen dir –  3) Du hast Fähigkeiten, wir trauen es dir zu –  2) Du kannst das und du bist nicht alleine –  1)  Es gibt immer Hoffnung, wir stehen auf
(Eva Steiner)

Fasten gibt Kraft

Foto: www.sehen-und-handeln

«Wie – du isst nichts? Gar nichts? Nicht mal eine Suppe, die gute Nährstoffe drin hat? Und du arbeitest normal weiter? Das geht doch nicht, da klappt man doch zusammen!» Solche Reaktionen bekomme ich manchmal, wenn ich während meiner Fastenwoche das Kaffee ablehne und auch die Schokolade zum Tee.

Sobald der Körper mal umgestellt hat auf innere Ernährung, eröffnen sich ganz neue Kraftquellen. Ich stärke mich dann am wunderschönen Sonnenaufgang, wenn die Frühlingsblumen die Wiesenränder verzaubern, an einem guten Gespräch. Ich werde «gspüriger», dünnhäutiger, nehme Dinge wahr, an denen ich sonst achtlos vorbeigehe. Ich kann es sogar geniessen, wenn andere etwas Feines essen.

Ein Fastenprojekt muss sich aber nicht aufs Essen beschränken. Wem das nicht ganz geheuer ist, kann z.B. für eine gewisse Zeit die Pommes-Chips zum Film weglassen, das Handy mal ganz ausschalten oder über Mittag einen Spaziergang machen. Auf etwas Verzichten in unserer überfüllten Welt eröffnet neue Kraftquellen, von denen wir vorher nichts wussten.

Und es hilft anderen: jedesmal, wenn mich die alte Gewohnheit, auf die ich eigentlich verzichten wollte, wieder packt, schicke ich ein Gebet zum Himmel. Für mich, für meine Geliebten, für die Menschen in der Ukraine … und weiss mich so verbunden mit vielen Menschen auf der Welt, die dasselbe tun.

Die Kampagne von Fastenaktion und HEKS zur diesjährigen Zeit vor Ostern heisst: «Auf zu neuen Energiequellen». Genau darum geht es. Probieren Sie es doch aus!

Christine Sieber

Rose Ausländer „Im neuen Jahr“

Im neuen Jahr
grüsse ich
meine nahen und
die fremden Freunde
grüsse die
geliebten Toten
grüsse alle
Einsamen
grüsse die Künstler
die mit
Worten Bildern Tönen
mich beglücken
grüsse die
verschollenen Engel
grüsse mich selber
mit dem Zuruf
Mut

(es)

Das verschwundene Jesuskind

Foto: Team KGU

Die ganze Gemeinde war stolz auf die Weihnachtskrippe in ihrer Kirche. Denn alle hatten ihren Anteil zu der kunstvollen Bastelarbeit der Krippe beigetragen. Auch die Bemalung der lebendig wirkenden Figuren von Maria und Joseph, der Hirten und Könige, von Ochs und Eselein und den weißen wolligen Lämmchen, die sich zwischen den Hirten neugierig hinzudrängten, war Gemeinschaftswerk gewesen. Neben dem Eingang zur Höhle standen ein paar exotische Pflanzen, eine Zwergpalme, eine Aloe und ein paar blühende Kakteen. Über der Höhle leuchtete der Stern von Bethlehem. Das Innere der Höhle lag im Dunkel, aber in der Wölbung war eine Öffnung, durch die der helle Glanz des Sterns hereinstrahlte. Das Jesuskind in der Krippe war die Freude aller Kinder. Es lächelte so lieb und streckte seine Händchen aus, als wolle es sagen: »Lasst die Kindlein zu mir kommen. – Und sie kamen nur zu gern. Niemand hätte sich ein Weihnachtsfest ohne diese Krippe vorstellen können.
Und dann geschah das Unfassbare: Als der Pfarrer kurz nach Weihnachten durch das Kirchenschiff ging und dabei noch einen Blick auf die Krippe werfen wollte, kam ihm der Sigrist in heller Verzweiflung entgegen. Er stotterte vor Aufregung, »das Kind ist weg! Unser Jesuskind – aus der Krippe haben sie es gestohlen!« Der Pfarrer schüttelte ungläubig den Kopf. »Das gibt es in unserer Gemeinde nicht.« »Dann muss es jemand aus einer anderen Gemeinde sein, der neidisch auf unsere schöne Krippe war.« Auch das schien dem Pfarrer nicht einzuleuchten. Sie standen noch hinter einer Säule beeinander, als die Kirchentür sich öffnete und kurze eilige Schritte auf dem Steinboden widerhallten. »So unbekümmert tritt kein Dieb auf«, sagte sich der Pfarrer und neigte sich etwas vor, um den Eintretenden besser sehen zu können. Der Kleine, der da so selbstsicher, ohne nach links und rechts zu sehen, direkt auf die Krippe zulief, war ein etwa fünfjähriger Knabe aus dem Dorf. »Wie wird er erschrecken, wenn er die Krippe leer findet«, dachte der Pfarrer mit Bedauern. Aber was trug er im linken Arm, sorgfältig unter der Jacke versteckt? Ob er dem Jesuskind ein Spielzeug bringen wollte? – Schon manchmal hatte der Pfarrer bunte Murmeln und Bälle und Süssigkeiten gefunden, die Buben und Mädchen dem Kind in der Krippe wie einem kleinen Spielkameraden heimlich gebracht hatten. Aber was der Kleine jetzt unter der Jacke hervorholte, schien ein großes Spielzeug zu sein.
Er beugte sich über die leere Krippe und legte mit behutsam das Mitgebrachte hinein. Dann glättete er sorgfältig Stroh und Moos ringsum, und als er dabei zur Seite trat und den Blick auf die Krippe freigab, glaubte der Pfarrer seinen Augen nicht trauen zu dürfen – denn da lag vor ihm lächelnd, mit zärtlich ausgestreckten Händchen, das verschwundene Jesuskind. Nun wandte sich der Knabe zum Weggehen. Aber dann blickte er sich noch einmal um und nickte dem Kind in der Krippe so vertraut und lächelnd zu, wie einem guten Kameraden nach fröhlichem Spiel. Da stand der Pfarrer vor ihm. »Wie kommst du zu dem Jesulein?« fragte er erstaunt. »Wo hast du es gefunden? Oder wer hat es dir gegeben?« »Niemand hat es mir gegeben sagte der Bub, »ich habe es aus der Krippe genommen.« »Aber warum denn? Was hast du denn mit dem Jesuskind gemacht?« Jetzt wurde der Kleine verlegen und blickte scheu vor sich hin. Dann schaute er den Pfarrer treuherzig an und sagte: »Herr Pfarrer, das war nämlich so: Ich hätte so gern einen schönen Roller gehabt, weil ich doch so gern Roller fahren »Und hast keinen bekommen?« fragte der Pfarrer voll Bedauern. »Meiner Mutter war er zu teuer, erklärte der Bub, »und da hab ich mir vom Christkind einen gewünscht.« »Und das Christkind hat dir den Roller gebracht?« »O ja, Herr Pfarrer«, sein Gesichtchen strahlte. »Einen ganz wunderschönen Roller. Und ich bin so glücklich und dem lieben Christkind so dankbar. Ach, Herr Pfarrer, und da hab ich gedacht, wo doch alle Kinder so gern Roller fahren, würde es dem Christkind auch Freude machen, und weil ich ihm so dankbar bin, wollte ich ihm mal zeigen, wie schön es sich mit dem neuen Roller fahren lässt…« »Und da bist du mit dem Jesuskind Roller gefahren?« »Ja, Herr Pfarrer, jetzt eben in der schönen Mittagssonne. Drei Ehrenrunden hab ich mit ihm um die Kirche gemachte

Nach: Catbarina Bachem-Tonger, Aus: Wenn es wieder Weihnachten wird, TigrisVerlag, 1989

Fahren Sie weiter!

Als Lehrling ärgerte ich mich in der Vorweihnachtszeit über ein paar heuchlerische Zeilen des Bankdirektors, die zu Handen des Personals am internen Anschlagbrett für gute Stimmung sorgen sollten. Mein Ärger musste raus, und ich entdeckte die Kraft des Schreibens.

Ich verdichtete meinen Groll und fasste ihn zusammen in einem Gedicht. Wie gut das tat! Aber wo konnte ich das zeigen? Sicher nicht im Lehrbetrieb. Ich entschied mich für die Deutschlehrerin der Berufsschule. Sie steckte das Gedicht in ihre Mappe und bedankte sich tags drauf mit einem einzigen Satz: «Fahren Sie weiter mit Schreiben!» Was für eine tolle Ermutigung. Dieser eine Satz wurde zum nachhaltigen Weihnachts- und Lebensgeschenk. So etwas kann nur Sprache bewirken: «Wie goldene Äpfel auf silbernen Schalen, so ist ein Wort geredet zur rechten Zeit.» (Sprichworte 25,11)

Adventszeit ist Lesezeit, Zeit für Sprache und Poesie. Im Jahresrückblick lässt sich Gutes erkennen und Schwieriges benennen. Ärger wird aus dem Herzen auf ein Blatt Papier gebannt. Freunde und Verwandte freuen sich über Post. Einsame und Trauernde erwarten tröstende Worte. Darum, liebe Leserin und lieber Leser, fahren Sie weiter mit Lesen, Schreiben, Ermutigen …!

Heinz Käser

Reben – Symbol der Hoffnung

Foto: Eva Steiner

Reben gehören zu den ältesten Kulturpflanzen auf der Erde, es gibt heute mehr als 16‘000 Sorten davon. In der Bibel beziehen sich einige der schönsten Stellen auf Weinberge und die Reben. Zwei davon möchte ich euch vorstellen:

In alten Zeiten war reich, wer einen Rebberge besass. Gleich mehrmals finden sich in den alten Gesetzbüchern Aufrufe zum Teilen. Als Beispiel nenne ich die Stellen im 5. Buch Mose: „Wenn du in den Weinberg eines andern kommst, darfst du so viel Trauben essen, wie du magst, bis du satt bist, nur darfst du nichts in ein Gefäß tun.“

“Wenn du in deinem Weinberg die Trauben geerntet hast, sollst du keine Nachlese halten. Sie soll den Fremden, Waisen und Witwen gehören.”

Natürlich ist das heute so nicht mehr möglich, weil wir viel mehr Menschen sind. Aber der tiefere Sinn des Teilens bleibt der gleiche.

Die zweite, bekannte Stelle steht im Johannesevangelium. Jesus sagt dort: “Ich bin der Weinstock, ihr seid die Rebe. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht.”  Zeitweise hat mich diese Stelle auch zu Widerspruch gereizt: Ich bin doch selbständig und brauche keinen Weinstock. Je länger je mehr sehe ich aber dieses Bild als Symbol dafür, dass da noch etwas ist, das über mich hinausreicht und mich stärkt und ermutigt wie der Saft aus den Reben.

Pfarrerin Eva Steiner

Schatten – und was der Himmel draus macht

Oktober und November sind Monate, die mir nicht besonders liegen. Nicht des Herbstes wegen – ich liebe das Farbenspiel der Blätter, die wunderbare Fernsicht und dass es am Morgen Reif auf den Feldern hat. Aber in diesen zwei Monaten wird beinahe das ganze nächste Jahr geplant, ich schleppe mich von Sitzung zu Sitzung, daneben läuft das inhaltliche Programm wie KUW, Gottesdienste, Seelsorge und Altersanlässe weiter. Jedes Jahr sucht mich der Planungskoller wieder heim! Da verstehe ich den Psalmbeter, der schreibt: «Mein Leben ist nur noch ein langer Schatten. Ja, ich fühle mich matt wie verdorrtes Gras.» (Psalm 102, 12) Denn Planen ist nicht meine Stärke, es nimmt mir Kraft und gibt keine zurück.

Kürzlich durfte ich am Morgen ein wunderbares Spiel von Wolken, Schatten und der herandämmernden Sonne erleben. Da wurde mir wieder deutlich bewusst, wie der Himmel aus Schatten ein wunderbares Schauspiel zaubern kann. Der Himmel – die Wolken und das Licht, das wir tatsächlich sehen und der Himmel – das, was ich mit dem Wort «Gott» verbinde. Der Himmel macht auch aus dunklen Schatten ein Leuchten, er stärkt uns durch alles Belastende hindurch. Danke!

Pfarrerin Christine Sieber

Bibel? Bibel!

Foto: Christine Sieber

In der 5. Klasse der Kirchlichen Unterweisung (KUW) nehmen wir jeweils das Thema Bibel durch. Wir suchen alle 66 Bücher zusammen, aus denen sie besteht, wir entdecken die Keilschrift und lernen, wie Gutenberg die erste Bibel gedruckt hat. Wir tauchen ein in das Land der Bibel, lernen Bibelverse aufschlagen und hören selbstverständlich Geschichten aus dem Buch der Bücher. Jedesmal reut es mich, dass wir so wenig Zeit haben, um noch tiefer einzutauchen.

Kürzlich hat mir jemand gesagt, er finde es eigenartig, dass wir gerade in der Kirche unsere Themen oft gerade nicht mit der Bibel untermauern. Das hat mich nachdenklich gemacht: weshalb ist das wohl so? Vielleicht, weil die Bibel oft auch missbraucht wurde auf diesem Weg. Doch gerade dies sollte uns anspornen, es besser zu machen. Nicht, indem wir die Bibel nicht mehr benutzen, sondern indem wir ihre Schätze heben und auf unser Leben wirken lassen. Ein ganz wichtiger Vers dazu kommt aus Psalm 119, 105: «Dein Wort ist eine Lampe für meine Schritte und ein helles Licht auf meinem Lebensweg.»

Christine Sieber

Z’Bsuech

Foto: Pixabay

„Ig ha nume grad e Bsuech gmacht,“ erzählt mir eine Dame unserer Gemeinde, die sich im Besuchsteam des Vereins für Altersbetreuung engagiert. Nume – nur, dieses Wort blieb mir hängen. Denn meiner Meinung nach ist gerade nichts „nur“ an einem Besuch, schon gar nicht, wenn man quasi von Amtes wegen jemanden aufsucht, den man sonst eigentlich nicht kennt. Hier ein paar Gedanken anhand des berndeutschen Wortes, was in und hinter einem Besuch so steckt:

B wie Beziehung
Besuch pflegt und festigt das Netz von Beziehungen, das uns und unsere Gesellschaft trägt. Eine Familienvisite, der Kaffeeklatsch bei Nachbars oder ein Wochenende unter Freunden oder Freundinnen: Begegnung und Austausch unter Bekannten oder Verwandten stärkt unsere Verbundenheit, so dass auch in Momenten der Krise darauf Verlass sein kann.

S wie Segen
Besuch zu einer besonderen Gelegenheit, wie zum Beispiel an einem runden Geburtstag oder um Beileid zu überbringen, beinhaltet meistens nicht nur Mitbringsel, die Augen und Gaumen erfreuen, sondern auch Worte und Wünsche, die der Seele guttun. „Herzliche Gratulation!“ „Alles Gute im neuen Lebensjahr!“, oder auch „Es tut mir aufrichtig leid!“ Segensworte zeigen auf, dass man die guten Momente unseres feiern soll und darf und dass man die schwierigen Momente ebenso teilen darf und soll.

U wie Ueberraschung
Besuch ist eine Wundertüte: man weiss nie genau, was einem erwartet! Manchmal findet man sich zu schönen harmonischen Stunden, manchmal wird das Treffen zu einer Herausforderung an Takt, Geduld und Diplomatie. Manchmal verabschiedet man sich mit dem Gedanken: „Wie schade, dass sie Gottseidank schon wieder gehen!“

E wie Engagement gegen Einsamkeit
Besuch bedeutet Abwechslung im Alltag für alle, die allzu viel Zeit alleine verbringen. Vereinsamung hat schwerwiegende, ja lebensbedrohliche, Konsequenzen für die seelische Gesundheit gerade von älteren und alleinstehenden Menschen.

CH wie Christlich
Besuch ist, theologisch gesprochen, ein Ausdruck der Nächstenliebe, zu der uns Christus einlädt und auffordert. Damit steht „z’Visite ga“ im Herz des christlichen Glaubens.

Seien Sie gesegnet bei Besuchen und überhaupt!

Henriette Cann-Guthauser

Chinderbriefe a Gott

Foto: Eva Steiner

Voremne Monet hei mir am See chönne e Gottesdienst mit Toufi fiire. Ds Wätter isch zwar nid wunderbar, aber troche gsi. Es isch e schöni Fiir worde mit viel Musig, Singe u o ds Apéro hei mir wieder dörfe mache.

Im Gottesdienst ha i Chinder la zu Wort cho. Sie hei e diräkte Draht zu Gott u drücke Zueversicht, aber o Zwiefel unverblüemt us. I ha di Ussage usem Büechli „Children’s Letters to God“ gno, übersetzt heisst das: Chinderbriefe a Gott. Läset es paar Bispiel:

Liebe Gott: I wett öpis wüsse. Wie isches im Himmel. I weiss, dass es schön isch, aber wie schön? Was machet dir, wenns rägnet?
Mortry

E Brief zum Thema Ma – Frou: Liebe Gott. Sy Buebe besser als Meitschi? I weiss, dass du e Bueb bisch, aber bitte bis fair!
Sylvia.

U hie no e verantwortigsvolle Brief: Liebe Gott. gits di würklech? Gwüssi Lüt gloube nid. U wenns di git, de wärs guet, wenn du gli öpis miechsch.     Harriet Ann

Eva Steiner