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Reben – Symbol der Hoffnung

Foto: Eva Steiner

Reben gehören zu den ältesten Kulturpflanzen auf der Erde, es gibt heute mehr als 16‘000 Sorten davon. In der Bibel beziehen sich einige der schönsten Stellen auf Weinberge und die Reben. Zwei davon möchte ich euch vorstellen:

In alten Zeiten war reich, wer einen Rebberge besass. Gleich mehrmals finden sich in den alten Gesetzbüchern Aufrufe zum Teilen. Als Beispiel nenne ich die Stellen im 5. Buch Mose: „Wenn du in den Weinberg eines andern kommst, darfst du so viel Trauben essen, wie du magst, bis du satt bist, nur darfst du nichts in ein Gefäß tun.“

“Wenn du in deinem Weinberg die Trauben geerntet hast, sollst du keine Nachlese halten. Sie soll den Fremden, Waisen und Witwen gehören.”

Natürlich ist das heute so nicht mehr möglich, weil wir viel mehr Menschen sind. Aber der tiefere Sinn des Teilens bleibt der gleiche.

Die zweite, bekannte Stelle steht im Johannesevangelium. Jesus sagt dort: “Ich bin der Weinstock, ihr seid die Rebe. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht.”  Zeitweise hat mich diese Stelle auch zu Widerspruch gereizt: Ich bin doch selbständig und brauche keinen Weinstock. Je länger je mehr sehe ich aber dieses Bild als Symbol dafür, dass da noch etwas ist, das über mich hinausreicht und mich stärkt und ermutigt wie der Saft aus den Reben.

Pfarrerin Eva Steiner

Bibel? Bibel!

Foto: Christine Sieber

In der 5. Klasse der Kirchlichen Unterweisung (KUW) nehmen wir jeweils das Thema Bibel durch. Wir suchen alle 66 Bücher zusammen, aus denen sie besteht, wir entdecken die Keilschrift und lernen, wie Gutenberg die erste Bibel gedruckt hat. Wir tauchen ein in das Land der Bibel, lernen Bibelverse aufschlagen und hören selbstverständlich Geschichten aus dem Buch der Bücher. Jedesmal reut es mich, dass wir so wenig Zeit haben, um noch tiefer einzutauchen.

Kürzlich hat mir jemand gesagt, er finde es eigenartig, dass wir gerade in der Kirche unsere Themen oft gerade nicht mit der Bibel untermauern. Das hat mich nachdenklich gemacht: weshalb ist das wohl so? Vielleicht, weil die Bibel oft auch missbraucht wurde auf diesem Weg. Doch gerade dies sollte uns anspornen, es besser zu machen. Nicht, indem wir die Bibel nicht mehr benutzen, sondern indem wir ihre Schätze heben und auf unser Leben wirken lassen. Ein ganz wichtiger Vers dazu kommt aus Psalm 119, 105: «Dein Wort ist eine Lampe für meine Schritte und ein helles Licht auf meinem Lebensweg.»

Christine Sieber

Z’Bsuech

Foto: Pixabay

„Ig ha nume grad e Bsuech gmacht,“ erzählt mir eine Dame unserer Gemeinde, die sich im Besuchsteam des Vereins für Altersbetreuung engagiert. Nume – nur, dieses Wort blieb mir hängen. Denn meiner Meinung nach ist gerade nichts „nur“ an einem Besuch, schon gar nicht, wenn man quasi von Amtes wegen jemanden aufsucht, den man sonst eigentlich nicht kennt. Hier ein paar Gedanken anhand des berndeutschen Wortes, was in und hinter einem Besuch so steckt:

B wie Beziehung
Besuch pflegt und festigt das Netz von Beziehungen, das uns und unsere Gesellschaft trägt. Eine Familienvisite, der Kaffeeklatsch bei Nachbars oder ein Wochenende unter Freunden oder Freundinnen: Begegnung und Austausch unter Bekannten oder Verwandten stärkt unsere Verbundenheit, so dass auch in Momenten der Krise darauf Verlass sein kann.

S wie Segen
Besuch zu einer besonderen Gelegenheit, wie zum Beispiel an einem runden Geburtstag oder um Beileid zu überbringen, beinhaltet meistens nicht nur Mitbringsel, die Augen und Gaumen erfreuen, sondern auch Worte und Wünsche, die der Seele guttun. „Herzliche Gratulation!“ „Alles Gute im neuen Lebensjahr!“, oder auch „Es tut mir aufrichtig leid!“ Segensworte zeigen auf, dass man die guten Momente unseres feiern soll und darf und dass man die schwierigen Momente ebenso teilen darf und soll.

U wie Ueberraschung
Besuch ist eine Wundertüte: man weiss nie genau, was einem erwartet! Manchmal findet man sich zu schönen harmonischen Stunden, manchmal wird das Treffen zu einer Herausforderung an Takt, Geduld und Diplomatie. Manchmal verabschiedet man sich mit dem Gedanken: „Wie schade, dass sie Gottseidank schon wieder gehen!“

E wie Engagement gegen Einsamkeit
Besuch bedeutet Abwechslung im Alltag für alle, die allzu viel Zeit alleine verbringen. Vereinsamung hat schwerwiegende, ja lebensbedrohliche, Konsequenzen für die seelische Gesundheit gerade von älteren und alleinstehenden Menschen.

CH wie Christlich
Besuch ist, theologisch gesprochen, ein Ausdruck der Nächstenliebe, zu der uns Christus einlädt und auffordert. Damit steht „z’Visite ga“ im Herz des christlichen Glaubens.

Seien Sie gesegnet bei Besuchen und überhaupt!

Henriette Cann-Guthauser

Chinderbriefe a Gott

Foto: Eva Steiner

Voremne Monet hei mir am See chönne e Gottesdienst mit Toufi fiire. Ds Wätter isch zwar nid wunderbar, aber troche gsi. Es isch e schöni Fiir worde mit viel Musig, Singe u o ds Apéro hei mir wieder dörfe mache.

Im Gottesdienst ha i Chinder la zu Wort cho. Sie hei e diräkte Draht zu Gott u drücke Zueversicht, aber o Zwiefel unverblüemt us. I ha di Ussage usem Büechli „Children’s Letters to God“ gno, übersetzt heisst das: Chinderbriefe a Gott. Läset es paar Bispiel:

Liebe Gott: I wett öpis wüsse. Wie isches im Himmel. I weiss, dass es schön isch, aber wie schön? Was machet dir, wenns rägnet?
Mortry

E Brief zum Thema Ma – Frou: Liebe Gott. Sy Buebe besser als Meitschi? I weiss, dass du e Bueb bisch, aber bitte bis fair!
Sylvia.

U hie no e verantwortigsvolle Brief: Liebe Gott. gits di würklech? Gwüssi Lüt gloube nid. U wenns di git, de wärs guet, wenn du gli öpis miechsch.     Harriet Ann

Eva Steiner

Kirchenumbau

Eine renommierte Schweizer Bank gab bekannt, dass sie in zwei Dritteln ihrer Filialen das Schalterpersonal durch Geldautomaten ersetzt. Was bei den Banken ansteht, könnte theoretisch auch mit den Kirchen passieren. Aktuell wird in Deutschland ein Segensroboter getestet. Statt einer Pfarrerin erhebt der Metallroboter seine Armprothesen schützend über den Segensempfänger und spricht mit elektronischer Stimme ein biblisches Segenswort aus. Scherzartikel oder Vorbote einer dunklen Zukunft? Der zeitliche Vorteil liegt auf der Hand: Statt einen Gottesdienst lang auf den Segen zu warten, könnten wir ihn beim «church-drive in-corner» erwerben. Ohne aus dem Auto auszusteigen ein Wort für die Weiterfahrt empfangen. Kontaktlos, anonym und schnell.

Wir bauen die Kirche um, ohne einen «church-drive in-corner» einzurichten. Wir wollen bei den Menschen bleiben. Offen, einladend und persönlich.

Heinz Käser

Kirchenbank-Turm

Foto: Christine Sieber

Sind Sie seit dem 14. Juni schon mal in unserer Kirche gewesen? Ein Blick hinein lohnt sich: In der Mitte türmen sich die Kirchenbänke, die Orgel ist fein säuberlich eingepackt, an den Wänden stehen Gerüste, Radiomusik ertönt, es wird besprochen, geschliffen, Verputz runtergeholt. Für mich ist das alles ein erfrischender Anblick: es tut sich etwas! Wir hoffen, dass wir die Kirche im Herbst im neuen Glanz wieder «einweihen» können. Dann wird die äussere Renovation abgeschlossen sein. Bis dahin feiern wir im Kirchenzentrum Futura oder draussen. Die innere Renovation der Kirche geht hoffentlich auch nach Abschluss der Bauarbeiten weiter: wir werden in neuen Formen Gottesdienste feiern, verschiedene Arten von Musik werden ertönen, man wird hoffentlich weiterdiskutieren. Nicht über die Farbe des neuen Anstrichs, sondern über Gott und die Welt. Darauf freue ich mich!

Christine Sieber

Wieder gemeinsam plaudern und essen

Foto: Eva Steiner

Liebe Leserin, lieber Leser

Der Tisch wird wieder gedeckt auch in unserer Kirchgemeinde. Ich freue mich sehr. Zwar erst zu viert an einem Tisch, aber es kann wieder geplaudert, ausgetauscht und Gemeinschaft beim Essen und Trinken erlebt werden. Das haben wir doch alle vermisst! Und es trägt zum Verständnis untereinander bei. Tauschen wir aus, hören wir einander zu und geniessen wir ein gutes Essen. „Für Spys und Trank, für ds täglech Brot, mir danke dir o Gott!“

Eva Steiner

Humorvoll unterwegs

Bild: Christine Sieber

Nach nur fünf Minuten im Gottesdienst rutscht die kleine Anna neben ihrem Vater hin und her, es ist ihr langweilig. Wenig später flüstert sie ihm zu: «Können wir der Pfarrerin den Fünfliber nicht jetzt schon geben und danach wieder nach Hause?»

Humor hilft in vielen Lebenslagen; auch wissenschaftlich ist bewiesen, dass Lachen gesund ist. Doch Gott und Humor? Darf man das? Im Gottesdienst vom 25. April haben wir das Thema aufgenommen. Ich bin ganz klar der Meinung: Ja, man darf!

1. «always look at the bright side of life» – schau immer auf die helle Seite des Lebens (aus dem Film «life of Brian»).

2. Satire kommt schon in der Bibel vor, wenn in der Schöpfungsgeschichte von «Lampen» gesprochen wird, die Gott an den Himmel hängt. Denn in anderen Religionen wurden Sonne und Mond als Götter verehrt. Wenn Religion sich selbst allzu ernst nimmt, läuft sie Gefahr, in Fanatismus zu verfallen.

3. Die Vielfalt der Natur, der Schöpfung zeigt uns humorvoll, was alles möglich ist. Schauen Sie sich um! Welche wundervollen phantastischen Geschöpfe können Sie entdecken? Da ist Schmunzeln erlaubt.

4. Reframing – einen neuen Rahmen machen, einen neuen Standpunkt einnehmen hilft, eine schwierige Situation humorvoll zu deuten. So in der Geschichte von der Ausländerin und Jesus in Markus 7.

5. Jesus hatte im Umgang mit den Pharisäern eine spitze Zunge. Auch wenn die Bibel nicht explizit davon erzählt, dass Jesus gelacht hätte, kann man zwischen den Zeilen viele lustige Episoden herauslesen.

Fünf Merksätze fassen die Predigt zusammen, wer mehr lesen möchte, kann den ganzen Gottesdienst hier nachlesen. Viel Spass!

Christine Sieber

Sägel setze i d Osterfröid

Foto: Henriette Cann-Guthauser

Guete Gott,
mir dörfe üsi Sägel i d Osterfröid setze
und usefahre i nes befreits Läbe hie uf Ärde.
Mir dörfen üs fröie a Dine Zeiche und Wunder.
Mir dörfe juble über die nöii Wält,
wo sich uftuet a üsem Horizont.
Daderfür chöi mir Dir nid gnue danke.

Guete Gott,
mängisch schlabbere üsi Sägel aber i dr Flaute.
Mängisch droht üses Boot z kentere im Sturm.
Mängisch troue mir üs nid, der sicheri Hafe z verla.
Mängisch löh mir üs la verleite vo emene andere Lüüchtturm
weder Dim Wort.
Mängisch wette mir genau i die anderi Richtig losfahre
weder die, wo Du üs hesch zeigt. 
Vergib Du üs üses fählende Vertroue
und üses chlymüetige Wäse,
üsi verbländeti Sichtwys
und vernäbleti Hoffnig.

Guete Gott,
blas Du nöie Wind i üsi Sägel,
dass mir üs löh la leite vom Stärn vo Dire Liebi,
dass mir chöi Chraft schöpfe
us der Töifi vo Dire Gnad,
dass mir Di Botschaft vom Läbe in Fülli und Freiheit
mit früschem Geist chöi läbe und wytergä.

Amen

(Henriette Cann-Guthauser)

Mit ausgebreiteten Armen

 Foto: Franziska Benz

In der Karwoche erinnern wir uns an den Leidensweg von Jesus, an Ostern freuen wir uns darüber, dass der Tod nicht das letzte Wort hat. Jesus lebt in jeder liebevollen Handlung, die auf unserer Erde geschieht.

Er starb, wie er lebte,
er lebte, wie er starb:
mit ausgebreiteten Armen.

Lothar Zenetti hat diese Worte geschrieben. Im Leiden wie in der Freude brauchen wir die Umarmung. Obwohl die Zahlen im Moment noch hoch sind, besteht die Hoffnung, dass wir uns wieder umarmen dürfen.

Eva Steiner