Blog

Chinderbriefe a Gott

Foto: Eva Steiner

Voremne Monet hei mir am See chönne e Gottesdienst mit Toufi fiire. Ds Wätter isch zwar nid wunderbar, aber troche gsi. Es isch e schöni Fiir worde mit viel Musig, Singe u o ds Apéro hei mir wieder dörfe mache.

Im Gottesdienst ha i Chinder la zu Wort cho. Sie hei e diräkte Draht zu Gott u drücke Zueversicht, aber o Zwiefel unverblüemt us. I ha di Ussage usem Büechli „Children’s Letters to God“ gno, übersetzt heisst das: Chinderbriefe a Gott. Läset es paar Bispiel:

Liebe Gott: I wett öpis wüsse. Wie isches im Himmel. I weiss, dass es schön isch, aber wie schön? Was machet dir, wenns rägnet?
Mortry

E Brief zum Thema Ma – Frou: Liebe Gott. Sy Buebe besser als Meitschi? I weiss, dass du e Bueb bisch, aber bitte bis fair!
Sylvia.

U hie no e verantwortigsvolle Brief: Liebe Gott. gits di würklech? Gwüssi Lüt gloube nid. U wenns di git, de wärs guet, wenn du gli öpis miechsch.     Harriet Ann

Eva Steiner

Kirchenumbau

Eine renommierte Schweizer Bank gab bekannt, dass sie in zwei Dritteln ihrer Filialen das Schalterpersonal durch Geldautomaten ersetzt. Was bei den Banken ansteht, könnte theoretisch auch mit den Kirchen passieren. Aktuell wird in Deutschland ein Segensroboter getestet. Statt einer Pfarrerin erhebt der Metallroboter seine Armprothesen schützend über den Segensempfänger und spricht mit elektronischer Stimme ein biblisches Segenswort aus. Scherzartikel oder Vorbote einer dunklen Zukunft? Der zeitliche Vorteil liegt auf der Hand: Statt einen Gottesdienst lang auf den Segen zu warten, könnten wir ihn beim «church-drive in-corner» erwerben. Ohne aus dem Auto auszusteigen ein Wort für die Weiterfahrt empfangen. Kontaktlos, anonym und schnell.

Wir bauen die Kirche um, ohne einen «church-drive in-corner» einzurichten. Wir wollen bei den Menschen bleiben. Offen, einladend und persönlich.

Heinz Käser

Kirchenbank-Turm

Foto: Christine Sieber

Sind Sie seit dem 14. Juni schon mal in unserer Kirche gewesen? Ein Blick hinein lohnt sich: In der Mitte türmen sich die Kirchenbänke, die Orgel ist fein säuberlich eingepackt, an den Wänden stehen Gerüste, Radiomusik ertönt, es wird besprochen, geschliffen, Verputz runtergeholt. Für mich ist das alles ein erfrischender Anblick: es tut sich etwas! Wir hoffen, dass wir die Kirche im Herbst im neuen Glanz wieder «einweihen» können. Dann wird die äussere Renovation abgeschlossen sein. Bis dahin feiern wir im Kirchenzentrum Futura oder draussen. Die innere Renovation der Kirche geht hoffentlich auch nach Abschluss der Bauarbeiten weiter: wir werden in neuen Formen Gottesdienste feiern, verschiedene Arten von Musik werden ertönen, man wird hoffentlich weiterdiskutieren. Nicht über die Farbe des neuen Anstrichs, sondern über Gott und die Welt. Darauf freue ich mich!

Christine Sieber

Wieder gemeinsam plaudern und essen

Foto: Eva Steiner

Liebe Leserin, lieber Leser

Der Tisch wird wieder gedeckt auch in unserer Kirchgemeinde. Ich freue mich sehr. Zwar erst zu viert an einem Tisch, aber es kann wieder geplaudert, ausgetauscht und Gemeinschaft beim Essen und Trinken erlebt werden. Das haben wir doch alle vermisst! Und es trägt zum Verständnis untereinander bei. Tauschen wir aus, hören wir einander zu und geniessen wir ein gutes Essen. „Für Spys und Trank, für ds täglech Brot, mir danke dir o Gott!“

Eva Steiner

Humorvoll unterwegs

Bild: Christine Sieber

Nach nur fünf Minuten im Gottesdienst rutscht die kleine Anna neben ihrem Vater hin und her, es ist ihr langweilig. Wenig später flüstert sie ihm zu: «Können wir der Pfarrerin den Fünfliber nicht jetzt schon geben und danach wieder nach Hause?»

Humor hilft in vielen Lebenslagen; auch wissenschaftlich ist bewiesen, dass Lachen gesund ist. Doch Gott und Humor? Darf man das? Im Gottesdienst vom 25. April haben wir das Thema aufgenommen. Ich bin ganz klar der Meinung: Ja, man darf!

1. «always look at the bright side of life» – schau immer auf die helle Seite des Lebens (aus dem Film «life of Brian»).

2. Satire kommt schon in der Bibel vor, wenn in der Schöpfungsgeschichte von «Lampen» gesprochen wird, die Gott an den Himmel hängt. Denn in anderen Religionen wurden Sonne und Mond als Götter verehrt. Wenn Religion sich selbst allzu ernst nimmt, läuft sie Gefahr, in Fanatismus zu verfallen.

3. Die Vielfalt der Natur, der Schöpfung zeigt uns humorvoll, was alles möglich ist. Schauen Sie sich um! Welche wundervollen phantastischen Geschöpfe können Sie entdecken? Da ist Schmunzeln erlaubt.

4. Reframing – einen neuen Rahmen machen, einen neuen Standpunkt einnehmen hilft, eine schwierige Situation humorvoll zu deuten. So in der Geschichte von der Ausländerin und Jesus in Markus 7.

5. Jesus hatte im Umgang mit den Pharisäern eine spitze Zunge. Auch wenn die Bibel nicht explizit davon erzählt, dass Jesus gelacht hätte, kann man zwischen den Zeilen viele lustige Episoden herauslesen.

Fünf Merksätze fassen die Predigt zusammen, wer mehr lesen möchte, kann den ganzen Gottesdienst hier nachlesen. Viel Spass!

Christine Sieber

Sägel setze i d Osterfröid

Foto: Henriette Cann-Guthauser

Guete Gott,
mir dörfe üsi Sägel i d Osterfröid setze
und usefahre i nes befreits Läbe hie uf Ärde.
Mir dörfen üs fröie a Dine Zeiche und Wunder.
Mir dörfe juble über die nöii Wält,
wo sich uftuet a üsem Horizont.
Daderfür chöi mir Dir nid gnue danke.

Guete Gott,
mängisch schlabbere üsi Sägel aber i dr Flaute.
Mängisch droht üses Boot z kentere im Sturm.
Mängisch troue mir üs nid, der sicheri Hafe z verla.
Mängisch löh mir üs la verleite vo emene andere Lüüchtturm
weder Dim Wort.
Mängisch wette mir genau i die anderi Richtig losfahre
weder die, wo Du üs hesch zeigt. 
Vergib Du üs üses fählende Vertroue
und üses chlymüetige Wäse,
üsi verbländeti Sichtwys
und vernäbleti Hoffnig.

Guete Gott,
blas Du nöie Wind i üsi Sägel,
dass mir üs löh la leite vom Stärn vo Dire Liebi,
dass mir chöi Chraft schöpfe
us der Töifi vo Dire Gnad,
dass mir Di Botschaft vom Läbe in Fülli und Freiheit
mit früschem Geist chöi läbe und wytergä.

Amen

(Henriette Cann-Guthauser)

Mit ausgebreiteten Armen

 Foto: Franziska Benz

In der Karwoche erinnern wir uns an den Leidensweg von Jesus, an Ostern freuen wir uns darüber, dass der Tod nicht das letzte Wort hat. Jesus lebt in jeder liebevollen Handlung, die auf unserer Erde geschieht.

Er starb, wie er lebte,
er lebte, wie er starb:
mit ausgebreiteten Armen.

Lothar Zenetti hat diese Worte geschrieben. Im Leiden wie in der Freude brauchen wir die Umarmung. Obwohl die Zahlen im Moment noch hoch sind, besteht die Hoffnung, dass wir uns wieder umarmen dürfen.

Eva Steiner

Der Lebensfaden

Bildlegende: roja48 / pixelio.de

In meiner Agenda steht heute eine Notiz ohne Uhrzeit: «Keller aufräumen – alte Skier und Schuhe entsorgen.» Zu lange haben Estrich und Keller keinen aktiven Besen mehr gesehen. Frühlingsputz ist angesagt. Meister Proper soll es richten. Was werfe ich weg? Was brauche ich noch? Wovon trenne ich mich? Was behalte ich?

Zum Thema las ich die folgende Geschichte: «Eines schönen Morgens glitt vom hohen Baum am festen Faden die Spinne herab. Unten im Gebüsch baute sie ihr Netz, das sie im Laufe des Tages immer grossartiger entwickelte und mit dem sie reiche Beute fing. Als es Abend geworden war, lief sie ihr Netz noch einmal ab, um es auszubessern. Da entdeckte sie auch wieder den Faden nach oben, an dem sie heruntergestiegen war. Sie hatte ihn in ihrer betriebsamen Geschäftigkeit ganz vergessen. Da sie schlecht gelaunt war und auch nicht mehr wusste, wozu er diente, hielt sie ihn für überflüssig und biss ihn kurzerhand durch. Sofort fiel das Netz mit ihr in die Tiefe, wickelte sich um sie wie ein nasser Lappen und erstickte sie.»

Vermutlich will die Parabel weniger das Urteilsvermögen von Spinnen in Zweifel ziehen als jenes der Menschen. Als Menschen sind wir latent gefährdet, den Ast abzusägen auf dem wir sitzen und damit den einen Faden zu kappen, der uns am Leben erhält. Die Verbindung nach oben: zum Schöpfer, zur Schöpfung, zur Quelle des Lebens.

Ein 80-jähriger Senior dankte in seiner Geburtstagsrede dem Leben. Er zeigte eine Zinnkanne und öffnete den Deckel. «Ganz egal, was kommt», sagte er «dieser Deckel nach oben soll offenbleiben. Auch im Alter. Von dieser Verbindung leben wir.»

Heinz Käser

Boxkampf mit Gott

Bild: Iván Tamás, Pixabay

Kürzlich habe ich einen Artikel mit diesem Titel gelesen. Der Autor Georg Magirius, ein Theologe aus Deutschland meinte, er ertrage keine frommen Sprüche mehr in der Krise. Viel lieber seien ihm die Psalmen mit ihrer eindrücklich bildlichen Sprache: «Reiss mich aus dem Morast heraus, dass ich nicht versinke» «mein Hals ist heiser vom Rufen, befreie mich, Gott!» «Meine Augen sind matt geworden vom Warten auf DICH.»

Ich habe mich dabei ertappt, dass ich oft so fromme Sprüche klopfe wie: «sich an den kleinen Wundern des Alltags freuen.» Zum Beispiel jetzt die aufblühenden Frühlingsblumen. Ich meine es ernst, es ist nicht nur so dahergeredet, es hilft ganz viel, wenn es einem gelingt. Aber es gelingt nicht immer – und dann?

Gott darf man den ganzen Frust vor die Füsse schmeissen. Er erträgt es. Und uns erleichtert es. «Giess deinen Zorn über meine Feinde aus!»

Die allermeisten Psalmen tauchen nach ihren Hasstiraden gegen Feinde und nach ihren verzweifelten Rufen nach Gott, der abwesend scheint, wieder auf aus dem Schlamassel, sie finden zum Lob. Dieses wird möglich, weil sie vorher Dampf abgelassen haben. «Ich will deinen Namen loben, die Lebendige hört auf die Armen.»

Wenn wir also einen Boxkampf austragen wollen, dann mit Gott, nicht mit unseren Nächsten. Die Ewige wird uns erleichtern, so dass wir danach wieder aus ganzem Herzen loben können.

(Ausschnitte aus Psalm 69)

Christine Sieber

„Somewhere over the Rainbow“ oder: Ännet em Rägeboge

Letzte Woche hatte unsere Tochter Geburtstag. Wenn man fünf Jahre alt wird, bleibt am Geburtstag einen Moment die Welt stehen, wir Erwachsenen haben das nur vergessen! Wie dem auch sei, als Geschenk für dieses monumentale Ereignis wünschte sie sich ein Einhorn, mit der vermeintlich einfachen Erklärung, es könne ja dann bei uns im Schlossgarten leben…

Auf der etwas verzweifelten Suche, wie dieser Wunsch auch nur annähernd in Erfüllung gebracht werden könnte, ohne den Kirchgemeinderat zu verärgern, stolperte ich im Internet über eine ganze Fülle dieser Fabelwesen: auf T-Shirts, Trinkbechern, Turnsäckchen. Die hatten eins gemeinsam: sie waren allesamt weiss mit Regenbogenmähne, eins farbiger als das nächste, eins glitzeriger als das nächste!

Die Einhörner liess ich deshalb rasch zurück in ihrer virtuellen Heimat von Kommerz und Kitsch, aber eine Frage liess mich nicht mehr los:

Wie war das nochmals mit dem Regenbogen? In der Natur empfinden wir sie doch nie negativ, sondern begrüssen sie als ein Wunder des Himmels. Bei Fotografien, Gemälde und eben Einhörnern sieht das nach meinem Geschmack schon ganz anders aus… 

Da stiess ich auf ein Bild, das mich sehr passend dünkt für diese Zeit, die doch auch immer wieder schwer auf uns lastet. Es wurde vor ziemlich genau 200 Jahren gemalt von Joseph Mallord William Turner und befindet sich im Besitz der Tate Gallery in London.
Turner hat zeitlebens viele Regenbogen gemalt, einige davon sind auch sehr naturgetreu.

Dieser nicht!
Ein Himmel, grau-blau, ein Boden, grau-braun, darüber ein Bogen, grau-weiss.
Verwischt, blass, diffus und gleichzeitig unverkennbar.
Es fehlt die Farbe, es fehlt die Sonne, es fehlt das Licht, und trotzdem ist alles da.
Das Gemälde ist signiert, es ist also komplett.

Turners Regenbogen ist nicht naturgetreu, aber man könnte vielleicht sagen, er ist bibelgetreu! Im ersten Buch Mose findet man nämlich diese Worte Gottes zu Noah:
»Ich setze meinen Bogen in die Wolken.
Er soll das Zeichen sein
für den Bund zwischen mir und der Erde.
Wenn ich Wolken über der Erde aufziehen lasse,
erscheint der Bogen am Himmel.
Dann denke ich an meinen Bund mit euch
und mit allen Lebewesen.
Nie wieder soll das Wasser zur Sintflut werden,
um alles Leben zu vernichten.« (1. Mose 9, 13-15)

Gott verspricht Noah und uns allen also gerade nicht, als Zeichen des Bundes und der Treue eine Farbenpracht strahlen zu lassen, sondern nur, ab und zu einen Bogen in die Wolken zu setzen. 

Mich dünkt, dieses biblische Bild und das Gemälde, das vielleicht davon inspiriert wurde, ist voller Trost und Zuversicht für uns in diesem langen Winter. Die ausgegrauten Farben verwischen nicht die Eintönigkeit unserer Einsamkeit, die diffusen Konturen nehmen ernst das Fehlen von Freude und Kontakten.

Und trotzdem: da steht ganz eindeutig ein Regenbogen und damit das Versprechen Gottes, dass die Sonne wieder scheinen wird, dass die Unbeschwertheit wieder einziehen werden darf, dass Gott selbst uns nicht fallen lässt, sondern ins Licht führt. Vielleicht ist dieses Zeichen nur schlecht zu sehen, vielleicht blitzt es nur ab und zu auf am Horizont, doch es weist sonnenklar auf die Verheissung dahinter:

Gott ist bei uns,
jenseits von Kitsch und Kommerz,
jenseits aller Regenbogen.
Gott lässt uns nicht im Stich
und schon gar nicht im Regen stehen!
Amen

Henriette Cann-Guthauser

Bildlegende:
Joseph Mallord William Turner, The Rainbow (c. 1820)  (c) Tate Gallery London Image released under CC-BY-NC-ND 3.0 (Unported):
https://www.tate.org.uk/art/artworks/turner-the-rainbow-d17182