
Foto: Pixabay
Die Schildkröte hat es, ein langes Leben oder im neuen englischen Modewort ausgedrückt die «Longevity». In Wikipedia können wir dazu lesen: «Der Begriff beinhaltet im deutschen Sprachgebrauch vor allem Erkenntnisse und Ratschläge zur Verlängerung der menschlichen Lebenszeit, wobei es das Ziel ist, den Alterungsprozess zu verlangsamen, altersbedingte Beschwerden zu vermeiden und vor allem die Lebensqualität bis ins hohe Alter zu bewahren oder gar zu erhöhen. Quantität und Qualität der Lebensjahre sollen gesteigert werden.»
Wünschen wir uns das nicht alle, ein langes Leben in guter Gesundheit? Und mal ehrlich, haben wir nicht alle etwas Mühe damit, älter zu werden und zu erkennen, dass unser Körper sich verändert? Was, wenn wir tatsächlich unserem Leben mehr Qualität und Quantität hinzufügen könnten?
Ein langes Leben zu haben ist auch schon in Texten unsere Bibel ein Thema. Erstaunliches lesen wir im 1. Buch Mose: Adam sei 960 Jahre und der älteste in der Bibel genannte Mensch, Methusalem, gar 969 Jahre alt geworden. Diese Zahlen klingen utopisch. So erstaunt es nicht, dass nach Erklärungen dafür gesucht wurde. Mal ging man davon aus, dass die Zeitrechnung anders war – es wurde mit Mondmonaten und nicht mit unserem heutigen System gerechnet, was das biblische Alter Methusalems auf 78 Jahre verringern würde. Oder die Zahlen werden symbolisch gewertet und sollen eine Achtung des Alters bewirken. Oder die Zahlen werden relativiert und angeraten, sie nicht wörtlich zu nehmen. Daneben gibt es auch realistische Aussagen zum Alter von uns Menschen. In Psalm 90 steht zum Beispiel: «Die Zeit unseres Lebens währt siebzig Jahre, wenn es hochkommt, achtzig.» Eine Erfahrung, die mehr unseren aktuellen Durchschnittswerten entspricht. Es sei hier noch angefügt, dass damals ein langes Leben als ein Segen und Geschenk empfunden wurde.
Longevity – Langlebigkeit, durchaus ein verlockendes Angebot vieler Hersteller von Pülverchen und Nahrungsmittelergänzungen. Ein Traum auch, der bereits von Millionären in den USA verfolgt wird durch einen ausgefeilten Lebensstil mit einem strikten Lebensplan und nicht selten vielen Pillen, die dazu beitragen sollen, dass zumindest das biologische Alter des Körpers verlangsamt oder um ein paar Jahre zurückgedreht wird. Nebeneffekt dieser Bemühungen: das Leben ist voll getaktet und es bleibt keine Zeit mehr zu spontanen Entscheidungen. Auch Genussmomente stehen nicht mehr auf dem Programm. Ob das erstrebenswert ist? Ob das der Sinn des Lebens sein kann, sich nur noch dem Körper und der Langlebigkeit zuzuwenden?
Einigen Menschen auf dieser Erde ist es tatsächlich vergönnt, ein wirklich langes Leben in guter Gesundheit zu verbringen. Darüber berichten die Artikel zu den sogenannten «Blue Spots» auf dieser Erde, an denen Menschen gegen hundert Jahre alt werden und eigentlich ein zufriedenes und einfaches Leben führen ohne Longevity-Tipps. Andere sterben viel zu früh, auch wenn sie gesund gelebt, Sport getrieben und alle möglichen medizinischen Angebote zur Verjüngung des Lebens angenommen haben. Das zeigt mir, das Leben ist zwar von uns gestaltbar, doch am Ende können wir ihm vermutlich kaum aus eigener Kraft mehr Tage hinzufügen. Das Leben ist und bleibt ein Geschenk, das wir täglich neu in Empfang nehmen dürfen. Etwas Kostbares, zu dem wir Sorge tragen sollten. Denn selbstverständlich ist es nicht, dass wir uns am Abend schlafen legen und am Morgen wieder aufwachen. Diese Erkenntnis soll nicht Grund zur Ängstlichkeit sein, sondern uns ermutigen, dass wir wieder bewusster unser Leben leben und unseren Tagen mehr Leben und Tiefe geben.
Ich wünsche Ihnen daher einfach erfüllte Tage und Gottes Segen, der Sie auf Ihrem Weg begleitet.
Pfrn. Natalie Aebischer









