Ich liebe es, in Buchhandlungen zu stöbern und nach neuen Schätzen für mein Büchergestell Ausschau zu halten. Mein Blick bleibt hängen an einem Buch mit gelb-orangen Buchstaben: «Die KI kann mich mal». Ich finde den Titel spannend. Er amüsiert mich auch ein wenig. Der Mut, ein Buch so zu benennen, und dies in der heutigen Zeit, in der geradezu ein Hype bezüglich KI (Künstlicher Intelligenz) entsteht, das hat mich fasziniert und neugierig gemacht. Interessant ist, dass die Autorin Barbara Oberrauter-Zabransky den Lesenden nicht abraten will, sich mit KI zu beschäftigen. Im Gegenteil, gemäss Untertitel geht es ihr darum, dass die sogenannten UserInnen informiert sind darüber, was sie wirklich über künstliche Intelligenz wissen müssen.

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Kaum eine Technologie ist gerade so im Gespräch wie die KI und kaum eine polarisiert so stark wie sie. Für die einen ist sie ein Segen, für andere ein Zeitvertreib, für einige eine Entlastung und für wieder andere eine Art Büchse der Pandora, deren Folgen des Öffnens wir nicht abschätzen können. Kein Wunder, dass einige die KI als unheimlich empfinden und sie gar Angst machen kann. Was, wenn sie sich nicht mehr nur selbst optimieren lernt, sondern ein eigenständiges «Leben» zu führen beginnt? Was geschieht, wenn sie sich durch den Menschen bedroht fühlt und ein Stoppknopf fehlt? Und was, wenn die Menschen aufhören nachzudenken und selbst Ideen zu entwickeln, weil es ja viel bequemer ist, die Maschine arbeiten zu lassen und diese innerhalb kürzester Zeit einen Vorschlag für jedes Problem bereithält. Doch ist di KI so clever und weiss sie wirklich alles?
Beim Stöbern im Buch lese ich natürlich zunächst den Klappentext und da steht auch schon eine Antwort auf die eben gestellte Frage:
«Ist das Ihnen auch schon aufgefallen? Bei manchen Anfragen verhält sich die KI so merkwürdig, wie ein hochintelligenter Ausserirdischer, der versucht, menschlich zu wirken. Sie liefert in einem Moment brillante Analysen komplexer Sachverhalte, nur um im nächsten an simplen Rechenaufgaben zu scheitern. Sie schreibt überzeugende Erklärungen zu Dingen, die gar nicht existieren – mit einer Selbstsicherheit, die ihresgleichen sucht. Sie bleibt höflich und dienstbefliessen, selbst, wenn Sie sie um einen biblischen Vers bitten, der erklärt, wie man ein Erdnussbuttersandwich aus einem Videorekorder entfernt. Und manchmal produziert sie Fehler, so absurd, dass kein Mensch je auf die Idee gekommen wäre. Und warum? Ganz einfach: Die KI hat keine Ahnung, was sie tut…» – ob das wirklich so stimmt?
Längst brauchen wir alle bewusst oder unbewusst Formen künstlicher Intelligenz – dazu gehören nämlich nicht nur die Sprachmodelle wie ChatGPT oder Claude. Im Buch geht es darum, in einen guten Umgang mit KI zu kommen, Chancen und Gefahren zu erkennen und zu wissen, was KI kann und was nicht. Mir scheint es eine wertvolle Lektüre zu sein im Umgang mit einem weiteren Instrument, das uns einfach von den Entwicklern zur Verfügung gestellt wurde, ohne eine Einleitung zum wirklich sinnvollen Gebrauch und auch ohne uns Hintergrundwissen zu geben, woher die Daten kommen und was mit meinen Daten geschieht, die ich der Maschine überlasse. Anders als bei gut recherchierten Arbeiten gibt es nämlich zu KI-Texten der Sprachmodelle, Filmen und Bilder keine Referenzen, auf welche Autoren, Bücher oder sonstige Inhalte sich die Antworten und Vorschläge beziehen. Desinformation und diskriminierende Inhalte werden so leicht zu allgültigen Maximen.
Mir scheint, die Autorin hat einen ansprechenden Humor und bringt «gesunden» Menschenverstand in eine künstliche Welt ein. Ob sie sich den biblischen Vers aus dem 1. Thessalonicherbrief zu Herzen genommen hat, der mir auch hinsichtlich der neuen Technologie ganz gut zu passen scheint und der da heisst: «Prüft aber alles und behaltet das Gute.» (1. Thessalonicherbrief 5,21)? Wie auch immer – dieser Satz ist für mich aktueller denn je, auch wenn er schon fast 2000 Jahre alt ist. Es gilt wachsam zu bleiben, das Lebensdienliche und Gute zu suchen und zu fördern und dabei unter anderem darauf zu achten, dass eine KI-Anwendung mit Mass auch für unsere Umwelt entscheidend sein kann, denn jede Anfrage an die künstlichen Intelligenzen produziert eine gewisse Menge an CO2 – zusammengezählt entsteht da täglich eine riesige Zahl, die nicht nur auf dem Papier bleibt, sondern direkte und konkrete Auswirkungen auf unsere Umwelt haben wird. Das geht oft vergessen in all der Euphorie über die neuen Möglichkeiten…
Ich wünsche Ihnen einen guten Einstieg in Ihren Alltag nach einer hoffentlich entspannenden Sommerpause. Seien Sie behütet!
Pfrn. Natalie Aebischer
Buchtipp: Barbara Oberrauter-Zabransky, Die KI kann mich mal. Was Sie wirklich über künstliche Intelligenz wissen müssen, Verlag Kremayr &Scheriau GmbH, Wien 2026.